Wahlkampf in Brasilien
Donnerstag, 28. Oktober 2010
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Brasilien wird diesen Sonntag einen neuen Präsidenten oder eine neue Präsidentin wählen. Man kann viele Nachrichten finden, in denen zu lesen ist, dass die Demokratie in Brasilien Tag für Tag stärker geworden ist. Ich allerdings bin sehr skeptisch.
Es gibt drei verschiedene Wähler in Brasilien. Die, die links orientiert sind - dazu gibt es viele Linksparteien. Es gibt auch Wähler, die aus wirtschaftlichen Gründen mehr für die neoliberalistischen und konservativen Parteien sind - in Brasilien sagen wir Rechtsparteien, aber ich glaube hier in Deutschland hat das eine andere Konnotation. Und es gibt einen großen Teil, der eigentlich keine politische Einstellung hat, sie wählen nicht nach Partei oder Idealen, sondern nach dem, was die Medien sagen, nach dem, was die Nachbarn und Verwandtschaft sagen, oder auch, unter den Armen, nach Politikern, die ihnen was zum essen geben. Das ist traurig, aber so ist das.
Ich möchte auch hier klarstellen, dass die Bildung in Brasilien nicht eine deutliche Rolle spielt, wenn man über Politik redet. Es ist nicht so, dass die hochgebildeten Leute viel Ahnung von Politik haben und die weniger gebildeten Leute keine oder kaum Ahnung von Politik haben. Es gibt viele Leute, die ein Universitätsdiplom haben aber eigentlich keine Einstellung zu Politik haben. Sie untersuchen nicht, was die Politiker gemacht haben, welche Regierungspläne sie haben. Sie wiederholen einfach, was sie vielleicht seit der Kindheit gehört haben und öffnen ihre Einstellung nicht für neue Ideen, oder zumindest zu schauen ob es wirklich so stimmt. Die Einstellungen zu Parteien wie PT (Arbeitspartei, die Partei des aktuellen brasilianischen Präsidents Luís Ignácio Lula da Silva) sind zwischen diesen Leuten sehr negativ geprägt. Das heißt nicht, dass ich für diese oder für andere Partei bin, d.h. nur dass die Presse in Brasilien oft gegen PT inszeniert, zeigen die Parteianhänger als gewalttätig und viele Leute glauben daran. Vielleicht sind sie das ja, aber es ist bequem, nicht darüber nachzudenken und einfach diese Medienwahrheit zu akzeptieren.
Ich weiß, es klingt alles sogar ein bisschen philosophisch. Aber, damit man es versteht, muss man einen Überblick auf die brasilianische Politik werfen.
Ich mache hier einen ersten Teil der brasilianischen Politikgeschichte, zusammengefasst, natürlich, weil es so ein polemisches und reiches Thema ist, dass dieser Blog sich nur damit beschäftigt würde.
- Brasilien war bis zum 7. September 1822 eine portugiesische Kolonie. Die Unabhängigkeit wurde nicht durch Volk - wie in den USA - sondern durch den Sohnes des Kaisers Dom João VI, DomPedro I gemacht. Nein, das heißt nicht, dass Don Pedro untreu, seinem Vater gegenüber, war. Eigentlich hat sein Vater ihm den Rat gegeben, die Unabhängigkeit zu deklarieren, bevor irgendjemand anders es machte.
- 15.11.1889 wurde Brasilien zur Republik. Eine Militärgruppe hat eine Art Putsch gemacht und die Macht des Kaisers Don Pedro II genommen. Das Volk wusste überhaupt nicht was eigentlich los war. Dann fängt hier eine "Demokratie" an, in der nur reiche Leute wählen konnte, dazu keine Frau. Die Präsidenten waren entweder aus Minas Gerais (Milchproduzenten) oder aus São Paulo (Kaffeeproduzenten). So entstand das, was wir als „Milchkaffee- Politik“ kennen.
- Ab 1930 wird die brasilianische Politik eine neue Ära kennen lernen. Eine erste Diktatur. Getúlio Vargas nimmt die Regierung an sich. Eine Nationalistische Politik fängt hier an, die nicht so unterschiedlich ist im Vergleich zu dem, was in Europa passierte.
Ich glaube, dass es im Moment genug ist. Mehr zur Politik ab 1930 und zu Getúlio Vargas erkläre ich in einem neuen Post. Bis dahin!
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